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zuletzt aktualisiert  
am: 10.01.2008  

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Berlin 28. August 2006

BILD-Artikel/ Eine jüdische Dame, Berliner Hausbesetzer und die Geschichte einer tiefen Freundschaft

Eine jüdische Dame, Berliner Hausbesetzer und die Geschichte einer tiefen Freundschaft


Von B. KOLLMANN

Vor 25 Jahren besetzten rund 70 Menschen ein leer stehendes Fabrikgebäude in Wedding -junge Familien, Studenten, Rollstuhl-Fahrer …

Ohne sie hätte Anni Wolff ihr Vaterhaus an der Prinzenallee 58 nie wiedergesehen.
Der Abriss war schon beschlossen.
Und hätte sich die resolute Dame aus Tel Aviv (heute 93) nicht so eingesetzt - die Besetzer von damals wären wohl schon längst draußen.

Die Geschichte eines Hauses -und einer außergewöhnlichen Freundschaft!

1936 verließ Anni Wolff, geborene Gattel, ihr Elternhaus, wanderte nach Palästina aus.
Im selben Jahr verlor ihr Vater alles: die Herrenmützen-Fabrik (170 Arbeiter) im Hinterhof, das Vorderhaus im Patrizierstil, in dem die alteingesessene jüdische Familie lebte. Auch den riesigen Garten.

Anni Wolff: „Er war anderthalb Morgen groß - eine Seltenheit im Berliner Norden."

Annis Vater musste alles seinem christlichen Kompagnon überlassen. Anni: „Das Geld, das er dafür bekam, reichte gerade zwei Monate zum Lebensunterhalt."


Das Schicksal der Eltern:
Deportiert im September 1942, gestorben in Theresienstadt 1945.
Erst 1988, 52 Jahre nach ihrer Ausreise in einen Kibbuz, fand Anni den Mut, nach Berlin zurückzukehren.
Und besuchte die Prinzenallee 58.
Im früheren Privatkontor ihres Vaters hatten die Besetzer das kleine Cafe Esscapade eingerichtet, in den Fabrikhallen Werkstätten, Wohnungen.

Seitdem sind sie befreundet - die Frau, die alles hätte erben sollen, und die Hausbesetzer.
Als Anni Wolff hörte, dass sie raus sollen, schrieb sie sofort an den Bezirksbürgermeister:   Er solle die netten jungen Leute in Ruhe lassen...
Es half.
Inzwischen sind die Kinder der ersten Besetzer-Generation längst erwachsen, aus dem Haus.
Und aus den Besetzerinnen von einst wurden elegante Damen mit verantwortungsvollen Jobs...
Gemeinsam mit Anni Wolff feierte die „PA 58" (Abk. für Prinzenallee 58) jetzt 25. Geburtstag.
Es ist das viertgrößte Selbsthilfeprojekt Berlins, mit 100 Bewohnern, Kita, Jugendbildungsstätte, Werkstätten, Rollstuhl-Fahrergruppe.
Zum Jubiläum trug Anni Wolff eines ihrer Gedichte vor:
"Was einmal nur, vor Jahresfrist, Besetzung war, hat sich gelohnt."

Fotos/Repros: LABES