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mit dem Seil geht es aufwärts

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VNP/PA58

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zuletzt aktualisiert  
am: 27.02.2011 

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1981-2011

Ein bewegtes Haus in
bewegten Zeiten

Als 100stes Haus in Berlin wurde 
die Prinzenallee 58 am Freitag, den 27. Februar 1981,  besetzt.

1981-89_pa58_presse.pdf (2 MB)

Tag der offenen Tür Frühjahr 1981
   Foto: Thomas Jäger  

Beim ersten Tag der offen Tür, kam das Haus mit auf die Demo!

"Trau keinem über Dreißig."

Gemäß der 68iger-Parole traut sich mancher ja vielleicht wirklich  nicht, einem dreißigjährigen Modell-Projekt, wie der PA58, noch zu trauen, geschweige denn, ihm noch viel zuzutrauen!?

Das wäre schade, - denn in seinem Kern verfügt dieses Modell-Projekt bis heute über  Lösungspotenziale, die leider aus mangelndem politischen und antropologischen Problembewusstsein kaum anerkannt und nachgefragt werden. 


„Die Realität muss Vorrang vor PR haben,

denn die Natur kann nicht ausgetrickst werden.“

Wir betrachten uns gezwungenermaßen stets durch die Brille unserer kulturellen Prägungen und stoßen in unserer Selbstwahrnehmung der Natur des Menschen fast nur auf Blinde Flecke, die wir jedoch, ähnlich wie beim Auge, unbewusst mit ‚drum herum’ vorhandenen Bild- bzw. Kulturinhalten abgleichen. Viele Muster heben sich kaum von ihrem Hintergrund ab. Erst wenn sich etwas vor dem 'Bildhintergrund' bewegt,  können wir es plötzlich erkennen. 

PR gilt als das geeignete Mittel der Wahl, um in unserer Gesellschaft etwas bewegen zu können und sich mit dem eigenen Thema absetzen zu können.  Nur da dies alle tun, ist wiederum der Blick auf den Hintergrund verstellet und alles kann nur noch als vordergründiges  Rauschen erfasst werden.

Ich nehme an, dass es Ausgangslagen (Settings oder Entwicklungs- Designs) für kulturelles und gesellschaftliches Lernen in Form von evolutionären Entwicklungsprozessen gibt, die sich, je nach ihrer Erfolgserwartung, selbstreferenziell, positiv verstärken oder negativ abschwächen.

Als ein wirksames ‚Design Setting’, welches die industrielle Entwicklung in Berlin stark vorangetrieben hat, könnte man Schinkels Bauakademie betrachten. 

Als Gebäude war sie zugleich das Modell für das inhaltliche Know-how, welches Schinkel in den Räumen an die Verwaltungsmitarbeiter transferierte. Die Rohstoffe, zur Herstellung von Ziegel und Stahl, standen in der Region zur Verfügung und Schinkel selbst konnte verfügen, wie gebaut werden sollte.

Die Bedingungen, unter denen wir unsere gesellschaftlichen Erfahrungen machen, bilden jeweils die Erwartungsgrundlagen oder Prognosen dafür, was wir zukünftig für machbar oder irrelevant halten. Es sind diese, im Laufe der Zeit kulturell verfestigten ‚Haltungen’, welche die Grundlage dafür bilden, ob sich eine Gesellschaft immer offener und lernbereiter zeigt und bleibt, oder durch ihren eigenen Sicherheits- und Kontrollzwang immer mehr stagniert, um letztlich zum Gefangenen ihrer eigenen Angststarre zu werden.

Die Auseinandersetzungen um Stuttgart 21 haben gezeigt, dass ein Verwaltungshandeln dieser Art, welches den Bürgern die Rolle „alternativloser Wutbürger“ zuweist, sich allmählich überholt zu haben scheint.

Mein Vorschlag für ein neues und zeitgemäßeres Entwicklungs-Design wäre es, unseren Schulen den gesellschaftlichen und politischen Auftrag zu erteilen, als Agenda 2020, sich selbst zu Null-Emissions-Schulen umzubauen. Schüler, Lehrer, Firmen und Wissenschaftler arbeiten und lernen gemeinsam an und in ihren eigenen Referenzprojekten.

Dass das keine Zukunftsmusik sein muss,
belegt ein Blick in die Vergangenheit.

Dass das Richtige im Falschen praktisch viel zu oft ohne Chance bleibt, belegt die Zahl von ca. 20.000 Helfern, die trotz der Bedingungen des Nazi-Terrors, sich ihre menschliche Empathie bewahren konnten, was die Voraussetzung war, anderen Menschen helfen zu können.

Auf der „3. Internationalen Konferenz zur Holocaustforschung, Helfer, Retter und Netzwerker des Widerstands27/28 Januar 2011“, wurden beeindrucke Beispiele dafür gezeigt.

Impressionen from kooperative-berlin on Vimeo.

In seinem Vortrag ‚Das Böse und das Heldenhafte’ zeigte Philip Zimbardo, der durch das ‚Stanford Prison Experiment’ berühmt geworden ist, wie Systeme normale Menschen zu bösartigem Handeln verführen.

Philip George Zimbardo from kooperative-berlin on Vimeo.

Im Gegensatz zum Stanford Prison Experiment von 1971, das für vierzehn Tage geplant, aber schon nach sechs Tagen abgebrochen werden musste, weil es eskalierte, läuft ein anderes ‚Experiment’ seit 1981 bis heute. Die einzige Gemeinsamkeit besteht wohl darin, dass für beide Experimente per Zeitungsanzeige geworben wurde.

Als Labor, für ihren überdachten Feldversuch, besetzte zunächst eine Gruppe von ca. 20 Hausbesetzern am 27 .02. 1981 das Hofgebäude in der Prinzenallee 58. (PA58)

Nach wenigen Tagen war die Kerngruppe zunächst auf ca. zehn Personen geschrumpft.

Für den riesigen Gebäudekomplex (ca. 4.500 m²) war die Gruppe zu klein.

Mittels einer TAZ-Anzeige, unter dem Pseudonym ‚B. Setzer’, wurde zu einem ‚Wohnraum-Beschaffungs-Treffen’ eingeladen.

Danach war das Haus mit ca. 80 Erwachsenen und 20 Kindern voll ‚besetzt’.

Obwohl, das Projekt PA58, damals sicherlich nicht immer ganz so friedlich und harmonisch war, wie es heute ist, zeigt dieses Experiment doch, dass Verantwortung sehr wohl, in und mit selbst organisierten Strukturen wachsen kann.


"Möglichkeiten und Wirkung, die sich aus diesem Experiment ergeben werden, können nicht vorherbestimmt werden, da solche Versuche seit 5 Jahrzehnten nicht weiter zugelassen und ausprobiert wurden."    

(aus "Das Glück braucht ein Zuhause" März 1982, A. R. u.a.)

Die erste konzeptionelle Darstellung der Idee des "Nachbarschaftshauses Prinzenallee" wurde dort auf
Seite 100 dokumentiert.

Weitere Informationen unter: gattel-stiftung.de/de/030_vnp_pa58.html

Es muss allerdings darauf hingewiesen werden, dass der Gegenversuch auch deshalb länger dauerte, als das original Experiment von Prof. Zimbardo, weil es zahlreiche Helfer und Unterstützer von Außen gab.

Ohne ein gewisses Maß an Glück, Intuition und Kreativität, sowie dem Mut und der Risikobereitschaft vieler Menschen, wäre dieser Erfolg sicherlich kaum möglich gewesen.

„Glück ist, wenn Vorbereitung auf Gelegenheit trifft!“ (Seneca)

Für den damaligen Bausenator Peter Ulrich, der im Februar 1981 den ‚Abrissantrag’ für das Hof-Gebäude Prinzenallee 58 ablehnte, war dies sicherlich einfach ein Gebot der Vernunft und Gleiches gilt wohl auch für Hans-Jochen Vogels ‚Berliner Linie’.

Besonders ermutigend waren pro-soziale Haltungen und solidarische Handlungen, aus und in, einiger staatlicher Institutionen.

Am 03. 09. 1981 konnte der Abriss der Fabrikhallen, dank der Hilfe eines  Mitarbeiters des Gartenbauamtes Wedding vereitelt werden.
Als Abrisspiste sollte ein, seit Jahren brachliegendes Grundstück an der Soldiner Straße dienen.
Mit Hilfe von kreuz und quer gespanntem rot-weisem Absperrband und dem Hinweis:
"Hier bitte nicht langfahren, 
da stehen Pflanzen unter Naturschutz"

wurde der Bagger gestoppt.

Was die Studenten und Professoren, im Rahmen des HdK-Praxisprojekts PA58 (1983/84), auf planerischem, praktischen und moralischen Gebiet geleistet haben, war enorm!

Den Projektbericht finden Sie unter www.gattel-stiftung.de/dl-ordner/1983_hdk-pa58.pdf

Der Aufbau des Nachbarschaftshaus Prinzenallee (VNP)  
Dietmar Freier und Armin Tschoepe, die beide leider nicht mehr unter uns sind, sicherlich nicht möglich geworden.
wäre ohne die Unterstützung von

„Es gibt kein richtiges Leben im falschen.“
Lautete  Adornos berühmtester Satz.

Die 30-jährige Praxiserfahrung der PA58, scheinen Adornos Satz zu belegen, - allerdings, im positiven Sinne:
„Es gibt ein richtiges Leben im richtigen.“

Das schönste Beispiel, um dies zu belegen, ist der Schülerhort „Perlmut“, der zurzeit 52 Schüler des Montessori-Zuges, der benachbarten Wilhelm-Hauff-Grundschule betreut.

Verbunden durch ein Gartentor hat sich zwischen den Grundstücken der Grundschule und der Prinzenallee 58 etwas entwickelt, was ich gern als den kleinen „Muck-Campus-Wedding“ (MC Wedding), bezeichne.

Der Schülerhort „Perlmut“ ging aus dem schon 1981 als erstes Projekt der Prinzenallee 58, gegründeten Kinderladen ‚Vogelscheuche’ hervor.


Einen Wehrmutstropfen gibt es dennoch. Leider ist es mir bisher nicht gelungen, die Gattel-Stiftung aufzubauen, bzw. andere Menschen für diese Idee gewinnen zu können.

Anni Wolff (geb. Gattel, *04.01.1913 - † 22.03.2009), die stets zuversichtlich und eine engagierte Unterstützerin des Projektes PA58 war, ist zuletzt doch enttäuscht von uns gegangen.


Am 04. 09. 1991 wurde das Hofgebäude in der
Prinzenallee 58 gleich zweifach feierlich gewürdigt.

Das 100 jährige Jubiläum anlässlich der Fertigstellung des
 Hofgebäude und das 10 jährige Jubiläum seiner Besetzung wurden mit einem großen gemeinsamen Fest begangen.

Die in Israel und England lebenden Verwandten und Nachfahren der Gebr.Max und Richard Gattel waren eigens angereist. Auch der damalige Weddinger Bürgermeister, Jörg-Otto Spiller war unter den zahlreichen Gästen.

Die Laudatio auf das Hofgebäude hielt Prof. Jonas Geist.
Am Ende seiner Rede verglich er das Hofgebäude in der Prinzenallee 58 mit zwei, historisch sehr bedeutenden, aber nicht mehr existierenden Berliner Gebäuden. 

Den ersten Bezug stellte er zu Schinkels Bauakademie her.
Der Vergleich war auf die verwendeten Baumaterialien, die Konstruktionsweise und das ästhetische Erscheinungsbild des Hofgebäudes bezogen.

Ganz zuletzt betonte Prof. Geist noch die Gemeinsamkeiten
zu Schlüters Stadtschloss. Er verwies auf die vergleichbaren Merkmale der Gebäudestruktur und des Innenhofes.

Sowohl die ehemaligen Besitzer, wie auch die Besetzer, müssen sich sehr geehrt gefühlt haben. Jedenfalls brach ein begeisterter Applaus aus, der sich durch den Trompeteneffekt im Hof, zu einer enormen Lautstärke aufschaukelte.