Die
Oliven treten in "Sitzstreik" und wenn sie erst mal festsitzen, dann
tun sie das richtig!
Dieses Alltagsphänomen
erinnert mich gelegentlich an die Schwierigkeiten mancher Ideen in die
Welt zu gelangen. Obwohl
die Umsetzung dieser Ideen, vielfältige und positive
Handlungsoptionen für die Mehrheit der betroffenen Menschen
ermöglichen würde, scheinen sich wohl aus einem
Verhältnis äußeren Drucks und innerer
Befindlichkeiten
gerade gegen innovative Ideen starke Widerstände aufzubauen.
Wie
beim Olivenglas hilft da nur Geduld. Schon geringe
Veränderungen der "inneren Haltung" Einzelner und
plötzlich gerät alles in Bewegung. Was
diese wechselseitige Veränderung dann eigentlich bewirkt hat,
bleibt im Nachhinein oft rätselhaft. Interdependenz muss
genauso sehr als Ideal des Menschen gelten wie die
Selbständigkeit.
Der
Mensch ist ein soziales Wesen. |
Die
Existenz der meisten wechselwirksamen Beziehungen tritt, wenn
überhaupt, zumeist erst in Situationen des Scheiterns in unser
(Alltags-)Bewusstsein. Das bekannteste Beispiel
dafür ist wohl die Selbstwahrnehmung unserer Gesundheit.
Häufig müssen erst Probleme auftreten, damit wir
lernen
ihr die nötige Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Zwar
hört man immer wieder, man solle die Krise als Chance
für einen Neuanfang begreifen. Es
kostet viel Zeit und Kraft, einen Ausweg aus
der Krisensituation zurück zur stabileren Ausgangslage zu
finden. Auch wenn man am Ende um die Erkenntnis
reicher ist,
dass ein Fehler gemacht wurde, verschafft dies noch keine
Erkenntnis darüber, welche alternativen Hypothesen oder
Strategien
stattdessen erfolgreicher gewesen wären. Anstatt
Zeit, Geld und soziale Energien innerhalb von Krisensituationen zu
verbrauchen, läge es näher, in
den Aufbau institutionalisierter, politischer Handlungsrahmen zu
investieren, um
der Gesellschaft evolutionäre, also dialogische, soziale
und interaktive,
also fehlerfreundliche und kreative Wahrnehmungs-,
Lösungs- und Handlungsstrategien zu
ermöglichen. Die
"evolutionären" Verhältnisse unter denen sich
Menschen als
soziale Wesen zu entfalten vermögen, sollten von ihnen
kontrollierbar und gestaltbar sein. Strukturen in denen wir uns als
"fremdbestimmt" erleben, befremden uns und provozieren
innere Ablehnungshaltungen. Das von den "Eliten" der Wirtschaft inszenierte Ränkespiel
zwischen Lobbyisten, wie Beratern und der Politik
läuft an den Interessen der schweigenden Mehrheit vorbei. Allenfalls,
wenn es mal wieder ein bisschen zu bunt getrieben wurde und
zu eklatant gegen allgemeine Bürger-Interessen
verstoßen wurde, werden Probleme "nachsorgend" in den Medien
kritisch thematisiert. Über "die da oben"
nur zu meckern und bei Wahlen "Denkzettel" zu
verteilen, kann zwar emotional entlasten, wird die
"Krisensituation" jedoch nicht gerade abschwächen. Welche
Erwartungen kann man
bezüglich der Entwicklung einer Gesellschaft hegen, in welcher
der
Staat einen großen Teil seiner Bürger durch
"sub-optimale
Reformen" permanent unter Stress und Angst setzt? Viele
Bürger empfinden sich durch den Staat in eine Art
"Rückzugsgefecht" verwickelt. Zur
erfolgreichen Verteidigung der schwindenden (Über-)
Lebenschancen
sollte jedoch ein Mindestmaß an "Waffengleichheit"
bestehen damit
"Frustration" nicht zur Grundbefindlichkeit der Gesellschaft wird. Zwar
darf der Bürger alle vier oder fünf Jahre seine "Stimme
abgeben", wird jedoch zwischenzeitlich zum Schweigen
verurteilt und in
einer Art "politischem
Wachkoma" gehalten. Welches sind die
Voraussetzungen dies zu ändern?Zunächst
müssten sich Menschen finden, die bereit sind Verantwortung
und
Führung für gesellschaftliche Entwicklungsprozesse
und den
Aufbau der dafür erforderlichen institutionellen
Rahmenbedingungen
zu übernehmen, beispielsweise durch die Gründung
einer Bürgerstiftung für Berlin Mitte. Der
Anspruch an diese Menschen ist
gewissermaßen ein "übermenschlicher".
Einerseits sollten
diese Menschen in der Lage sein sich so gut zu
artikulieren und zu
organisieren, dass sie genügend Durchsetzungsmacht und
-vermögen haben (Emowerment),
um sich zu "institutionalisieren". Andererseits müssten
Sie zugleich in der Lage sein, ihre eigene Macht in den Dienst
einer
(noch) "schweigenden Mehrheit" zu stellen, die nur dann lernen kann
ihre Interessen selbst zu formulieren, wenn ihnen dies nicht
durch die "Anwaltschaft" der "Vorkämpfer" auf Dauer abgenommen
wird. Um die politische "Verkehrsformen"
der Bürger
untereinander zu regeln, wäre alleine schon die
sinngemäße
Übertragung des §1
der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO)
hilfreich.
§1 Grundregeln (1) Die
Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und
gegenseitige Rücksicht.
(2)
Jeder Verkehrsteilnehmer hat sich so zu verhalten, dass kein
Anderer geschädigt, gefährdet oder mehr als nach den
Umständen unvermeidbar behindert oder belästigt wird. Auch
an den Artikel 4 der
französischen Erklärung der Menschen- und
Bürgerrechte von 1789 könnten wir uns
als Bürger bei passender
Gelegenheit erinnern (lassen). "Die
Freiheit besteht darin, alles tun zu können, was
einem anderen nicht schadet" Auch etwas nicht zu
tun, kann eine Handlung sein.Wenn
die Parteien nicht
bereit sind, ihrerseits ihrem Verfassungsauftrag nach Artikel 21
GG "Die
Parteien wirken bei der politischen Willensbildung des Volkes mit"
dadurch
nachzukommen, dass sie das, nach dem jeweiligen "Stand der Technik"
am besten geeignete Verfahren
zur Willensbildung auch als Standard in der Praxis
anwenden, wird dieser Verfassungsauftrag durch die "Macht der
faktischen Unterlassung" unterlaufen. Es ist
daher die Aufgabe der Bürger - ja, sogar ihr Verfassungsauftrag
- nach Ansätzen zu suchen, wie diese
weit aufklaffende "Willensbildungs-Lücke"
zwischen Bürgern und Parteien wieder geschlossen und Vertrauen
wieder zurück gewonnen werden kann. Ohne die
Instrumente, der
zivilgesellschaftlichen Selbstorganisation
zur Ermöglichung
öffentliche Diskurse, die nicht krisen-, sondern
erfolgsgesteuert sind, werden die Interessen der Mehrheit der
Bürger unberücksichtigt bleiben und gesellschaftliche
Lernprozesse mühsam und schmerzhaft. Die
Voraussetzungen zu
schaffen, für einen verbesserten Dialog zwischen Staat und
Bürger, ist ein notwendiger Schritt zu mehr
zivilgesellschaftlicher Verantwortungsübernahme durch die
Bürger (und
zur Entlastung des Staates). Ehrenamtliches
Engagement steht im Spannungsfeld zwischen Bürgerengagement
und "Bürgerbeteiligung" und
kann erst an
Prestige gewinnen, wenn
der eigenverantwortliche Bürger
mitentscheiden und selbstverantwortlich agieren kann. Zurzeit
verheißt schon der Sprachgebrauch wenig Gutes, dessen sich
der
Staat bedient, um sich des Bürgers beim Projekt "Zivilgesellschaft",
zu bedienen. Wenn früher für
"heldenhafte" Militäreinsätze "Freiwillige
vor" treten sollten, ging es dabei meist um
Himmelfahrt-Kommandos. Die Links, links oben,
verweisen auf
Projekt-Vorschläge mit Entwicklungs-Perspektiven die die
Handlungs- und Selbstorganisations-Möglichkeiten von
zahlreichen
Bürgern in bisher ungeahnter Weise erweitern werden. Gesucht
werden die Initiativ-Bürger, die bereit sind, die
vorbereitenden Strukturen zu entwickeln und für
möglichst viele Menschen nutzbar zu machen. Sobald
sich die jeweiligen Initiativ-Bürger-Gruppen
für die verschiedenen Projektbereiche gefunden haben
werden, die
weder Angst vor der eigenen Zivilcourage noch vor neuen "bahnbrechenden
Ideen" haben, sollte der (schrittweisen)
Umsetzung einer lernfähigen, kooperativen, problemlösungsorientierten, "Bürgergesellschaft",
nichts Wesentliches mehr im Wege stehen. "Es gibt
nichts Gutes, außer man tut es!" (Erich
Kästner) |